Projekt„Kir- chengenese und Siedlungsentwicklung in Rottenburg-Sülchen, Kr. Tübingen. Ein Modelfall für die Ausbildung…
Grunddaten
Titel:
„Kir- chengenese und Siedlungsentwicklung in Rottenburg-Sülchen, Kr. Tübingen. Ein Modelfall für die Ausbildung von Zentralorten in der Gründungszeit des Bistums Konstanz“
Laufzeit:
11.08.2025 bis 11.08.2028
Abstract / Kurz- beschreibung:
Stand der Forschung und eigene Vorarbeiten
Das Thema der Kirchengenese und der Einbindung früher Kirchengründungen der Merowinger- und Karolingerzeit in Siedlungsstruktur und Gesellschaft wird für Südwestdeutschland kontrovers gesehen. In den Geschichtswissenschaften ist das traditionelle Eigenkirchenmodell stark in die Kritik geraten (Borgolte 1985, Moddelmog 2008, Patzold 2020). In der deutschsprachigen archäologischen Forschung betont man seither den Fakt, dass der Rechtsstatus einer Kirche, wie ihn der Begriff Eigenkirche beschreibt, zwar nicht anhand archäologischer Relikte erfasst werden kann, jedoch werden diese Ansätze in ihren Konsequenzen für die eigenen Modelle wenig diskutiert. Da bislang aussagekräftige archäologische Befunde fehlten, wird weitgehend an der alten Forschungsmeinung festgehalten, auch wenn der Begriff der Eigenkirche keine Verwendung mehr findet (vgl. zuletzt Scholkmann 2018, Schreg 2021). Die Ausgrabungen in Sülchen geben erstmals die Gelegenheit, die etablierten Interpretationsansätze zu hinterfragen und im Dialog mit den Geschichtswissenschaften ggf. zu korrigieren. Klare stratigraphische Bezüge zwischen dem älterem merowingerzeitlichem Bestattungsplatz und der Kirchengründung einerseits sowie zeitgleiche aussagekräftige Befunde zum Siedlungsumfeld mit zentralörtlichen Elementen erlauben die Entwicklung eines belastbaren Modells hinsichtlich ihres chronologischen und funktionalen Zusammenspiels.
Dies verspricht Impulse zum Gesamtverständnis der Genese von Kirchenstandorten, den dazugehörigen Siedlungen und den Akteuren in Südwestdeutschland und ermöglicht so den Anschluss an den europäischen Forschungsdiskurs: (1) Wann entstehen die ersten Kirchen in Alamannien, wer waren die Akteure und welche Herrschaftsstrukturen spiegeln sich darin? (2) Sind Kirchen Ergebnis oder Ausgangspunkte zentralörtlicher Entwicklungen und wann und wo treten dabei Bischöfe und geistliche Institutionen, wann und wo dagegen Laien auf den Plan? (3) Was sah die lokale Bevölkerung in einem solchen Bauwerk, wie und von wem wurde es genutzt? (4) Ab wann handelt es sich um Kirchen und welches Maß an Christianisierung und kirchlicher Organisation lässt sich aus den Befunden ableiten?
Sülchen bietet beste Voraussetzungen, um genau diesen Fragen nachzugehen. Grundlage ist die hervorragende Befundsituation aus Gräberfeld (6./7. Jh.), darüber liegender Kirche mit Innenbestattungen und Außenfriedhof (7. bis 9./10. Jh.) eingebettet in ein archäologisch großflächig dokumentiertes geschlossenes Siedlungsareal (ab dem 5. Jh.) mit Nachweis von spezialisiertem Handwerk und repräsentativer Steinarchitektur (zuletzt Graenert/Scheschkewitz 2024). Sülchen dient dabei gleichzeitig als Pilotprojekt zur Weiterentwicklung innovativer Open-Source-Werkzeuge zur Modellierung, Vernetzung, Auswertung und Inwertsetzung der komplexen Daten aller beteiligter Fächer auf Basis der FAIR-Prinzipien.
Das Thema der Kirchengenese und der Einbindung früher Kirchengründungen der Merowinger- und Karolingerzeit in Siedlungsstruktur und Gesellschaft wird für Südwestdeutschland kontrovers gesehen. In den Geschichtswissenschaften ist das traditionelle Eigenkirchenmodell stark in die Kritik geraten (Borgolte 1985, Moddelmog 2008, Patzold 2020). In der deutschsprachigen archäologischen Forschung betont man seither den Fakt, dass der Rechtsstatus einer Kirche, wie ihn der Begriff Eigenkirche beschreibt, zwar nicht anhand archäologischer Relikte erfasst werden kann, jedoch werden diese Ansätze in ihren Konsequenzen für die eigenen Modelle wenig diskutiert. Da bislang aussagekräftige archäologische Befunde fehlten, wird weitgehend an der alten Forschungsmeinung festgehalten, auch wenn der Begriff der Eigenkirche keine Verwendung mehr findet (vgl. zuletzt Scholkmann 2018, Schreg 2021). Die Ausgrabungen in Sülchen geben erstmals die Gelegenheit, die etablierten Interpretationsansätze zu hinterfragen und im Dialog mit den Geschichtswissenschaften ggf. zu korrigieren. Klare stratigraphische Bezüge zwischen dem älterem merowingerzeitlichem Bestattungsplatz und der Kirchengründung einerseits sowie zeitgleiche aussagekräftige Befunde zum Siedlungsumfeld mit zentralörtlichen Elementen erlauben die Entwicklung eines belastbaren Modells hinsichtlich ihres chronologischen und funktionalen Zusammenspiels.
Dies verspricht Impulse zum Gesamtverständnis der Genese von Kirchenstandorten, den dazugehörigen Siedlungen und den Akteuren in Südwestdeutschland und ermöglicht so den Anschluss an den europäischen Forschungsdiskurs: (1) Wann entstehen die ersten Kirchen in Alamannien, wer waren die Akteure und welche Herrschaftsstrukturen spiegeln sich darin? (2) Sind Kirchen Ergebnis oder Ausgangspunkte zentralörtlicher Entwicklungen und wann und wo treten dabei Bischöfe und geistliche Institutionen, wann und wo dagegen Laien auf den Plan? (3) Was sah die lokale Bevölkerung in einem solchen Bauwerk, wie und von wem wurde es genutzt? (4) Ab wann handelt es sich um Kirchen und welches Maß an Christianisierung und kirchlicher Organisation lässt sich aus den Befunden ableiten?
Sülchen bietet beste Voraussetzungen, um genau diesen Fragen nachzugehen. Grundlage ist die hervorragende Befundsituation aus Gräberfeld (6./7. Jh.), darüber liegender Kirche mit Innenbestattungen und Außenfriedhof (7. bis 9./10. Jh.) eingebettet in ein archäologisch großflächig dokumentiertes geschlossenes Siedlungsareal (ab dem 5. Jh.) mit Nachweis von spezialisiertem Handwerk und repräsentativer Steinarchitektur (zuletzt Graenert/Scheschkewitz 2024). Sülchen dient dabei gleichzeitig als Pilotprojekt zur Weiterentwicklung innovativer Open-Source-Werkzeuge zur Modellierung, Vernetzung, Auswertung und Inwertsetzung der komplexen Daten aller beteiligter Fächer auf Basis der FAIR-Prinzipien.
Beteiligte Mitarbeiter/innen
Leiter/innen
Seminar für Mittelalterliche Geschichte
Fachbereich Geschichtswissenschaft, Philosophische Fakultät
Fachbereich Geschichtswissenschaft, Philosophische Fakultät
SFB 923 - Bedrohte Ordnungen
Sonderforschungsbereiche und Transregios
Sonderforschungsbereiche und Transregios
SFB 1070 - RessourcenKulturen. Soziokulturelle Dynamiken im Umgang mit Ressourcen
Sonderforschungsbereiche und Transregios
Sonderforschungsbereiche und Transregios
Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters (UFG)
Fachbereich Altertums- und Kunstwissenschaften, Philosophische Fakultät
Fachbereich Altertums- und Kunstwissenschaften, Philosophische Fakultät
Lokale Einrichtungen
Seminar für Mittelalterliche Geschichte
Fachbereich Geschichtswissenschaft
Philosophische Fakultät
Philosophische Fakultät
Geldgeber
Bonn, Nordrhein-Westfalen, Deutschland